Gedichte zu naturkundlichen Wanderungen
Grebendorf-Hasselkuppe-Eschwege 17:30
An allen Glieder zerschlagen, zermürbt von des Tages Last,
wollt ich die Wanderung wagen, nach kurzer, nicht heilender Rast.
Die Kinder, sie heißen mich eilen. „Mir sind die Beine so schwer!“
„Die Luft, sie wird dich schon heilen!“ – Da zaudre ich auch nicht mehr.
Schon liegt die Stadt mir im Rücken. Die Lerche trillert ihr Lied.
Drei Wandrer vorn nach ihr blicken. Sie nehmen freundlich mich mit.
Am Bahnhof warten wir lange. Er hat sich verspätet. Der Zug.
Die andern werden schon bange, doch sind wir gerade genug,
um ein Dutzend voll zu machen. Wir gehen in den Wald hinein.
Verstummt ist das Scherzen das Lachen. Jetzt wollen wir stille sein.
Das Goldhähnchen pfeift in der Höhe. Misteldrossel, Fink, der schlägt.
Wenn ich auch kein Vöglein sehe, so ist mir das Herz doch bewegt.
Den Grünspecht können wir hören, Zaunkönig und Rotkehlchens Lied.
Gespräche würden jetzt stören, im Wald herrscht Ruhe und Fried.
Nach einigen feuchten Stellen ruft unser Führer erfreut:
„Nun sieht man Blumen hier quellen! Oh blühten sie alle schon heut!“
Die Waldhyazinthe am Wege, auch Kuckuckblume genannt,
sie duftet im grünem Gehege, als Ständelwurz auch bekannt.
Waldvögelein weiß blüht in Menge, ein rotes finden wir auch.
Und in der Kräuter Gedränge zwar nicht den Bärenlauch,
doch Zweiblattorchidee und Strandkamille rot.
Wenn ich eine blühende sähe, so hätte Herr Marx keine Not.
„Ihr könnt ja alle nicht riechen! Oh hätte ich nur meine Frau!
Durch Dorn und Gestrüpp würd sie kriechen und fände die Blüte genau.
Die rote Sumpfwurz, sie nicket, die Händelwurz leuchtet uns an,
Man Purpurorchis erblicket und Fliegenorchis sodann.
Das seltsame Blütengebilde lässt fragen „wozu?“ und „warum?“
Der Weise lächelt nur milde. Die Torheit erklärt und bleibt dumm.
[...]
Die knotige Baumwurz am Wege, sie liebt den feuchten Oer.
Die Hundszunge, Herr Kollege, am Mausgeruch kennt man sofort.
Am Schwebdaer Bahnhof heißt's trennen. Die Kinder müssen zu Bett.
Wir anderen wollen noch rennen. Ein Wachtelruf wäre so nett!
Doch nur der Getreiderohrsänger läßt hören sein vielseitig Lied.
Und gehn wir ein Weilchen noch länger, Teich-Drosselrohrsänger im Ried.
Es duftet im Abendwinde das nickende Leinkraut schwer
Und von dem Wasser gelinde tönt Vogelsang, Froschquarren her.
Ein Kahn liegt drüben am Ufer! Oh, Schiffer, höre uns doch!
Ermüdet schweiget der Rufer. Da naht sich das Schifflein noch!
Die Wellen plätschern und rauschen, es schwankt der winzige Kahn.
Wir sinnen und schweigen und lauschen und legen zu bald wieder an.
Kreuzlabkraut und Wiesenbeinwell, Licht, Kuckucksnelken zu Hauf,
die pflücken am Wegrand wir schnell. Dann nimmt die Stadt uns schon auf.
Mit frohem Gruße wir scheiden. Und bald ist dunkle Nacht.
Und wo sind eure Leiden? Vergessen, vergangen, verlacht!
und Wintergrün so bleich.
Auch Schwalbenwurz uns verkündet:
Im Kalk ist die Flora sehr reich.
Die Felsenmispel am Hange
beim Feldahorn fröhlich steht.
Den Faulbaum kennt man schon lange:
Die kleinen Blüten hier seht!
Wir können schon besser erkennen
das Perl- und das Zittergras,
und können die Blumen wir nennen,
so macht uns das alles viel Spaß.
Dass da kein Benn und kein Brecht spricht, ist klar. Und im Grunde kann man schon aus den Gedichttiteln genau die Leerstelle finden, an die diese Verse einzuordnen sind.
Aber damit ist noch nicht gesagt, wer spricht.
an Boden, Himmelsrichtung, Wärme, Wind.
Was in den Winternächten wir hörten,
das wollen wir mit Mann und Kind
- auch ohne sie, wenn sie uns störten –
lebendig sehen, greifen, selbst ersteigen
Anscheinend eine Mutter, die sich ihrer Freiheit freut. Nicht gebunden wie die Pflanzen, sondern fähig, – ausnahmsweise und für kurze Zeit – sich unabhängig von ihrer Familie zu bewegen.
im Nachbarn man aufs neu entdeckt,
daß alles Leben gehet weiter,
auch wenn der Bombenkrieg geschreckt.
Denn was zum Leben uns Mut gibt,
das ist, daß man die Heimat liebt.
Die Heimat, ihre Städte, Berge,
die ganze Welt, den Sonnenschein!
Das macht zu Riesen Kräftezwerge
und läßt uns frohe Menschen sein.
Natur, Gemeinschaft und der Wille, zu lernen, an Bildungswerten festzuhalten, das sind die Werte, die sie teilen.
Denn hier spricht eine Kriegerwitwe, die im Gedicht fixiert, was sie ihrem Mann nicht mehr erzählen kann.
Am
Pfingstdienstag Teich hinter Eschwege-West. 7.6.1949
Niemanden
fand ich am Bahnhof, als ich die Karte mir löste.
"Ei, so
geh ich allein," das Wetter ist strahlend schön.
Da stürmt
mit langbeinigen Schritten der große Tinder herein,
Bald folgt
ihm Herr Brill und endlich mit fliegenden Pulsen
Herr
Marx, der führende Mann. Wir wechseln das Ziel
und fuhren die
Hälfte gleich bill'ger. "Guten Erfolg",
wünscht uns
Direktor Pröbsting, und als wir den Zug entsteigen,
ist auch der
Doktor dabei und Bärbelchen, die Tochter.
So wandern wir
frohgemut fürbass.
Bachstelzen und Wiesenstelze,
Gebirgsbachstelze, die sehn wir.
Und gegen alles Gesetze
schmettert am Baum
von oberster Spitze Getreiderohrsänger sein
Liedchen.
Wir sehen das Kerlchen sich plustern, es wetzet sein
Schnäbelein zart.
Rot ist der geöffnete Rachen, nicht stört ihn
der Menschen Gestalt.
Wir wandern schließlich weiter, der Vogel,
er singt noch dort.
Wie lange noch? Jetzt ist es Abend, doch
klingt mir sein Lied noch nach.
Der Turmfalke rüttelt und
schwingt sich im Blau in die Sonne hinein.
Ich wollte, ich wäre
ein Falke und flöge hoch weit über Berge und Wald.
Die Werra
lockt uns ans Ufer, die Kenner sie schauen dort Wild.
Ich aber
blicke ins Leere und suche vergebens am Ried.
Doch hier, welch
liebliches Singen! Teichrohrsänger so klein
übt sich im
Weidengezweige, von fern Karonkitruf darein.
Durch tauiges Gras,
übern Bahndamm, zur Seite die Kleinzäune [Kleinggarten-] stehn,
Auf
frisch gemähter Wiese, da wollen wir rasten und schaun.
Herr
Tinder ersteigt eine Erle, die dunkel am Teiche dort steht.
Bald
ruft er, da regt's sich und reckt sich's.
Herr Marx bald auch oben
sich wiegt.
Herr Müller liegt lang auf der Erde, den Hut in die
Stirn gedrückt.
Sein Töchterlein sieht das nicht gerne. "Wie
hässlich du Vater so bist!"
Der lächelt sein schönstes
Lachen und schläft geschwind selig ein.
Das Töchterlein wandert am Ufer und sucht sich ein Flötenstücklein.
"Frau Böhme!" ruft's leise von oben. Sie war im Dämmerschlaf schon,
doch
hört sie und folget geschwinde und schaut in die Erle hinein.
"Da
draußen? Da kann ich nichts sehen! Ich muss da oben hinauf!
Herr
Marx räumt schweigend den Astsitz.
Sie
klettert mit Mühe hinan und bleibt schweratmend nun stehen.
Herr
Brill wandert ab und zu, die Drei da oben, sie schauen
weit
über den Teich nun hin
Und horchen mit offenen Sinnen dem
Frühkonzert unten zu.
Ein roter Milan! Majestätisch schwingt er
sich kreisend im Blau.
Wir träumen ihm nach und trinken tief Luft
und Sonnenschein. -
Hingeschmiegt
an den sonnenwarmen Stamm der Erle schau ich hoch im Baum übers
Wasser hin.
Weit in der Ferne seh ich im Ried ein schwarzes
Huschen, ruckhaft verschiebt sich der Schatten, ein Kopf nun schiebt
sich heraus. Schon schwimmt im klaren Gewässer das Blässhuhn. Wie
prächtig leuchtet sein schwarzes Gefieder. Ihm folgend im Abstand
ein Junges. Wie blendet der weißer Flaum an der Kehle! Ein zweites,
drittes noch folgt ihm.
Sie gründeln und putzen sich, heben die
Flügel, Sie tauchen.
Ein lebhaftes Spiel auf dem Wasser.
Doch
nur bis zur Mitte des Teiches, da kehren sie plötzlich zurück.
Und
eh ich’s noch gedacht, sind alle im Riede verschwunden.
Weithin
schweift mein Auge. Hügeln und Wälder und Wolken.
Weiden
am Ufer, die Straße nicht weit.
huschte nicht dort etwas Helles
im Wasser?
Ist es das Teichhuhn? Ich schaue gespannt nach der
Stelle.
Schon will ich rufen, da lache ich auf, das Spiegelbild
war es des Wagens, den dort ein Pferd nach sich zieht. Wie
schade!
Noch ein paar mal täuscht mich die Straße, da manch ein
Radler, manch Wagen vom Zirkus oder ein Auto in Eile dort entlang
fuhr. Dann aber stockt mir der Atem: eins, zwei, drei, mehr und mehr
der Blässhuhngesellschaft treffen sich dort. Kein Zweifel: Vater und
Mutter und alle zehn Kinder! Welch lustiges Treiben!
Man reicht
mir ein Fernglas. Ich lebe im Wasser, tauche, rudere hierhin und
dorthin, atme den herrlichen Morgen.
Zeit und Welt sind vergessen.
Doch schon sind verschwunden die Schwimmer.
"Da, links vorn!
Ein Teichhuhn! Nehmen Sie schnell mein Glas!" so ruft es.
Ich
greife geschwind durch die Zweige. Ja wirklich, was ich so lange
gewünscht, endlich konnt ich es schauen.
Das Teichhuhn mit
grellrotem Schnabel. Und sieh, ein zweites folgt ihm!
Achtsam
schau ich auf jede Bewegung.
Sie wenden den Schnabel bald hierhin,
bald dorthin,
Das Riedgras versperrt uns die Aussicht. Ich gebe
das Glas dankend ab.
Ein flüchtiger Blick noch zurück. Da ziehen
mit gebogenen Hälsen grün leuchtend zwei Enten dahin.
Wie ein
Märchenbild schon zerflossen, eh ich es recht erfasst.
Ein
Bussard nur zieht über uns seine Kreise, entschwindet im fern-weiten
Blau.
Unter mir zucken die Halme, wer mag der Beweger sein?
Ich
verfolge das leichte Zittern, da, endlich! Ein Mäuschen, so scheint
es.
Da fliegt es flatternd empor der Teichrohrsänger, der Schelm
dort wiegt sich auf trockenem Grashalm ein zierliches
Vögelein.
Schwarz ist sein Köpfchen, weiß glänzt er zur Seite
und streifig sein Schwänzelein.
Die Rohrammer turnt dort, der
Racker! Er singt nicht, aber der Kaorakit schreit unverdrossen,
Teichrohrsänger jubeln im Chor.
Frösche quarren im Dickicht, das
Blässhuhn lässt sein Gig – Gig hören,
Ein Fischlein springt
auf im Teich, wir sehen die Spritzer aufglitzern
Ruhevoll lehn ich
am Baum, vom Zauber des Wassers gefangen.
Ein Satyrspiel folgt
noch in Kürze. Dem eiligen Lauf nach Hause, am lockenden
Braunkehlchen vorbei, folgte ein Mittagsschläfchen – d.h., Frau
Höhmann entriss mich dem Schlafe. Erhitzt mit bestaubtem Rade fragte
sie schmollend mich aus: "Wo sind Sie denn nur gewesen? Ich fuhr
mit dem Rad Ihnen nach, doch fand ich keinen von Ihnen trotz Rufen
und lautem Geschrei. Schließlich fragte ich Leute, die arbeitend
wegseitig warn. Oh ja, da waren schon welche, die nach den Vögeln
geschaut! Dort drüben im Baume gesessen, wohl stundenlang heute
früh!"
Da gab sie das Rennen verloren und fuhr nun wieder
nach Haus. Wir waren nur ganz wenig schneller! Nun ist mein Spielchen
auch aus.
Es
war das Protokoll gewesen.
Nach altem Brauch setzt ich es hin.
Nun
mag, wer will, es wieder lesen
Und denken in seinem Sinn,
er
sei gewandert, geschwommen,
und
habe den Vögeln gelauscht,
Sei reicher nach Hause gekommen,
Hab
Freude, Licht eingetauscht.
H. B. 7.6.1949
Wanderung zur Graburg und Schäferburg durch das Königintal
(Soziologische Lebensgemeinschaften der Werralandschaft, Dr. Sauer 21.5.1949)
Sonnabend nachmittag ein reges Wandern
zu unsrer Friedrich-Wilhelm-Schule hin.
Dort trifft man sich mit all den andern.
Die Graburg haben wir im Sinn.
Herr Dr. Sauer wird uns führen
durch Ton und Lehm zum Kalkgestein.
Dort draußen werden wir es spüren,
wie eng gebunden ist das
Pflanzensein
an Boden, Himmelsrichtung, Wärme, Wind.
Was in
den Winternächten wir hörten,
das wollen wir mit Mann und Kind
-
auch ohne sie, wenn sie uns störten –
lebendig sehen, greifen,
selbst ersteigen,
in unser ganzes Wesen nehmen heim.
Denn dann nur wird es uns zu eigen,
dann Nektar wird zu Honigseim. –
Im Omnibus mit zweitem Wagen
verteilt man sich mit freier Wahl.
Mit etwas Schrecken, Bangen, Zagen
hört man: „Geschieht was, zieht nur mal
an diesem Draht!“ Wir wollen hoffen,
es geschieht nichts, und plaudern keck.
Des Frühlings Flur liegt vor uns offen.
Der Bus fährt uns durch Pfütz und Dreck.
Wir merken’s nicht. Wir schauen nur.
Der Ginster blüht, es grün’n Birken.
Wir sind entzückt von der Natur
und spüren sanft ihr heilsam Wirken.
Im Kranz der Berge liegt geborgen
das schöne Weißenborn, das Ziel.
Wir lassen gestern, lassen morgen
und überlassen uns dem Spiel
der Mannigfaltigkeit im Walde
und horchen nach dem Führer hin,
der an der ersten schönen Halde
uns rings erklärt der Berge Sinn.
Dann üben wir das Aufwärtsschreiten
und bald schon heißt’s „Charakterart“.
Wenn wir im Ton auch manchmal gleiten,
im Kalk ist gut der Weg und hart.
Im Eichenhainbuchwald im Norden
Maiglöckchen groß und kräftig stehn.
Zum Buchenwald ist er geworden,
wie über 400 Meter wir gehn.
Die Eiben unser Aug entzücken,
Lang-, Spitzahorn und Eichen auch.
Frühlingsplatterbse wir hier erblicken
und Seidelbast als kleinen Strauch,
Hartriegel viel und auf der Höhe
an warm geschützter Felsenwand
die Graslilie zuerst ich sehe,
Hufeisenklee, Kornwicke, allerhand
an Gräsern, Seggen, Simsen,
Blaugras und Heilwurz, Kreuzblümlein.
Ich muß es immer wieder bimsen,
es fällt mir sonst nicht wieder ein.
Der Türkenbund, Fuchskreuzkraut, Pimpernelle,
Waldvöglein weiß und schwarzblättrig,
die Berg- und Fingersimse nenn’ ich schnelle,
das Waldgeißblatt, Waldreb’ lianenblättrig.
Einbeer, Tollkirsche, Berganemonen,
Einblütiges Perlgras, nickendes auch
ratenr dir: hier wird Umschau lohnen!
Und überall der Bärenlauch!
Bei Holzbirnen und Elsbeerbäumen
Im grauen Laub die Mehlbeer’ steht.
Der taubeperlte Frauenmantel lässt uns träumen.
Der purpurblaue Steinsonn’ fleht:
Brecht nicht uns Blüten wunderbar,
wir wollen Samentragen, uns vermehren
und reicher stehen nächstes Jahr.
Oh, könnten wir das Pflücken euch verwehren!
Mehrblütige Weißwurz, auch mit einer Blüte
und nickendes Leimkraut läuten hier.
Vor der Walddistel Stacheln dich ja hüte!
Bergflakenblume sehen wir.
Windblütiges Bingelkraut und Teufelskralle,
Waldmeister u. Labkraut nenn’ ich kurz.
Den zarten Duft wir lieben alle,
auch den der seltenen Schwalbenwurz?
Goldnessel zeigt den guten Boden an,
der Heckenkirsche Fruchtstand stets paarweis ist.
Bei Waldschwingel steht Baldrian.
Wer wohl die Blüten je vergisst
von Vogelnest- und Schuppenwurz, ganz ohne Blätter?
Sie assimilieren nicht, mein Kind!
Der Wiesenwachtelweizen ist doch netter,
den wasserflehend ich im Walde find.
Die hohe, duftende Schlüsselblume
wir noch in voller Blüte sehn
und in der feuchten Moderkrume
Mannsorchideen üppig stehn.
Erregung aber und fast Rausch
bringt uns der seltne Frauenschuh.
Ich diesem frohen Jubellausch
und hab im Herzen stille Ruh.
Noch manche einzigart’ge Pflanze
auf Gra- und Schäferburg hier stehn.
Ich nenn’ sie nicht in diesem Kranze.
Ich will sie nicht gebrochen sehn.
Die Sternmiere, die könnt ihr nehmen,
doch nicht die blaue Akelei.
Und wollt ihr euch seitab bequemen,
seht ihr ein Rehkitz einsam frei.
Von ferne nur und voller Schauer
betrachten wir dies Stück Natur.
Gern sähen wir das Reh genauer,
doch störten wir das Tierlein nur.
Ganz nah kriecht Feuersalamander.
Wie leuchtend! Prächtig anzuschaun!
Wir freun uns alle miteinander
und können Märchenträume baun.
Wie wir so übers Tal hin blicken,
klingt uns der Tannenmeise Lied.
Walschwirrvogel schwirret sein Entzücken,
und Rotkehlchen singt perlend mit.
Die Drossel ruft, der Buchfink schlägt,
die Misteldrossel tönt so klar!
Uns ist das Herz so froh bewegt,
Goldhähnchen sirrt ganz wunderbar.
Es pfeift uns zart den Abschiedsgruß.
Vor uns liegt Weißenborn so schön!
Vom Walde man nun scheiden muß.
Doch kann man in die Kirche gehen.
So traulich liegt sie, dicht umgeben
von Häusern wie ein treues Huhn,
das sorglich wacht für junges Leben.
Der Turm im Osten! – Kommet nun!
Die Heimfahrt ist beschaulich
heiter,
im Nachbarn man aufs neu entdeckt,
daß alles Leben
gehet weiter,
auch wenn der Bombenkrieg geschreckt.
Denn was
zum Leben Mut uns gibt,
das ist, daß man die Heimat liebt.
Die
Heimat, ihre Städte, Berge,
die ganze Welt, den Sonnenschein!
Das
macht zu Riesen Kräftezwerge
und läßt uns frohe Menschen sein.
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